10.11.2017

Das Reformationsjubiläum – „Verworrener Quark“?

2. Reformationsmatinée am Vikilu


„Unter uns gesagt, ist an der ganzen Sache (der Reformation) nichts interessant als Luthers Charakter, und es ist auch das einzige, was einer Menge wirklich imponiert. Alles Übrige ist ein verworrener Quark, wie er uns noch täglich zur Last fällt.“: Diese Aussage Goethes wollte Superintendent Philipp Meyer mit seinem Vortrag zum Thema „Gesellschaftliche Nachwirkungen der Reformation“ in der von der Fachgruppe Religion des Vikilu veranstalteten Reihe „500 Jahre Reformation“ geraderücken.
Nach der Begrüßung durch den Schulleiter, Herrn Dr. Glaubitz, präsentierte der Superintendent in seinem gut einstündigen Referat die Auswirkungen der Reformation auf die Bereiche Bildung, Emanzipation der Frau, Wirtschaft und Antijudaismus.
Superintendent Meyer stellte die besondere Bedeutung der Bildung für Luther und die anderen Reformatoren an den Anfang seines Vortrags und konnte den Schülern der Jahrgänge 10-12 auf anschauliche Art und Weise die Bedeutung der Bildung für das Anliegen der Reformatoren deutlich machen: Nur Bildung ermöglichte es den Christen die Bibel zu lesen, zu verstehen und sich so selbst und unmittelbar mit der frohen Botschaft auseinanderzusetzen – das Kernanliegen der Reformatoren. In der Folge entwickelte sich daher in protestantischen Gebieten rasch die Schulbewegung und führte bereits Ende des 16. Jahrhunderts zur Einführung einer Schulpflicht und zwar für Mädchen und Jungen.
Für Luther, so stellte der Referent heraus, war nämlich auch die Gleichstellung und -berechtigung von Mann und Frau ein wichtiges Thema. Auch wenn er in vielen Dingen ein Kind seiner Zeit gewesen sei, vertrat er die Meinung, dass Mann und Frau vor Gott als Brüder und Schwestern gleich seien und ihnen daher der gleiche Respekt zukomme.
Im dritten Themenblock des Referats beleuchtete der Superintendent die Folgen der Reformation für die wirtschaftliche Entwicklung im Heiligen Römischen Reich. Dafür griff er auf das Beispiel Hameln zurück: Mit der Verweltlichung des Stiftes Fischbeck und durch die höherwertige Bildung der Hamelner als Folgen der Reformation erlebte die Stadt durch einen großen wirtschaftlichen Aufschwung eine „goldene Zeit“, bis diese durch den 30-jährigen Krieg ein abruptes Ende fand.
Schließlich diskutierte der Vortragende die Rolle Luthers als Antijudaist. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich der lutherische Antijudaismus auch aus seiner persönlichen Entwicklung über die Jahre heraus entwickelte und Luther nicht nur einseitig positiv gesehen werden darf.
Der Vortrag war bereits der zweite in der Reihe „500 Jahre Reformation“. Auf ihn werden noch zwei weitere zu den Themen „Kirchenmusik und Luther“ und „Katholische Perspektiven auf Luther und die Reformation“ folgen.


Von: Björn Schütz