28.10.2018

Dem historischen Schicksal ganz nah

Schüler der 10c verlesen Stolpersteinbiographien


Am emotionalsten sei der Moment gewesen, als der Sohn Hilde Blanks vom Leben seiner Mutter berichtete, sagten die Zehntklässler des Vikilu, nachdem sie am 27. September 2018 die Stolpersteinverlegung der Familie mitgestaltet hatten.

Zwei Stunden zuvor verlegte der eigens angereiste Künstler Gunter Demnig die ersten Opens external link in new windowStolpersteine im Beisein der Angehörigen der Familie Birnbaum in der Deisterallee 45. Die Schüler unserer Schule verlasen zuvor die bewegenden Lebensläufe der Eheleute Max und Margarete Birnbaum mit den Kindern Grete und Alfred. 

Anschließend führte der Weg die Trauergemeinschaft vor das Haus der Kaiserstraße 21. Einst hatte hier Albert Blank mit seiner aus vornehmen Hause stammenden Frau Luise gewohnt. Ihre ältesten Töchter Hilde und Eva Blank waren Schülerinnen des Vikilu gewesen und besuchten das Gebäude in der Grütterstraße. Die jüngste Blank-Tochter Ursula wurde 1927 geboren und konnte noch die Grundschule in der Hermannstraße besuchen, bevor sie unfreiwillig nach Berlin verzog und anschließend 1936 nach Holland flüchten musste. Sie überlebte die NS-Zeit in England.

Tief bewegt standen die Angehörigen vor den Toren der Kaiserstraße 44 und lauschten den Biographien, die unsere Schüler frei vortrugen. „Ihre Schüler wissen mehr über die Blank-Töchter - unsere Mütter - als wir selbst. Vielen, vielen Dank für all die Recherche,“ sagte ein Nachfahre. Wie anders hätte das Leben der Angehörigen verlaufen können, wenn sie hier in Hameln geboren und aufgewachsen wären, überlegten sowohl die Angehörigen als auch die Schüler andächtig.

An der Ohsener Straße erfolgte die vorerst letzte Einfassung eines Stolpersteins in Hameln. Auch hier begleiteten die Schüler der 10c die Angehörigen auf ihrem schweren Gang. Einfühlsam trugen sie das Schicksal von Willy Nega vor, der 1938 verhaftet wurde und 1940 im KZ Dachau umkam. Nicht zuletzt die Tränen der Kinder und Enkel ließen die Geschichte der NS-Zeit für die Schüler greifbar werden.

Nach leckerem, koscheren Mittagstisch in unserer Mensa an einem eigens von der 10c eingedeckten Tisch, nutzten die in den USA und Großbritannien wohnenden Nachfahren der Vikilu-Schülerinnen Hilda, Eva und Ursula Blank die Möglichkeit, die Schule auch von innen zu besichtigen.

„The visit to the school to see the actual site of my mother’s and aunt’s education was also wonderful to see. One never knows what will trigger emotion, and for me it was the wooden stairs that have been worn away by years of small feet.,” schrieb Geoff Harris einige Tage später.

Die Familie war begeistert von unserer Schule und dem herrlichen Apfelfest in der Hermannstraße. Geoff Harris schrieb uns: „The children of the Victoria-Luise School should have made you very proud as they performed with such decorum and seriousness for a task that must have been rather daunting for them. Only someone with a heart of stone could not have been moved by their performance.”

 

Siehe auch: Opens external link in new windowhttp://stolpersteine.geschichte-hameln.de/


Von: K. Zabel