08.10.2020

Locker-flockiger Einblick in die Arbeit eines Vollblut-Journalisten

Dewezet-Chefredakteur Thomas Thimm zu Gast beim Vikilu


Wie ist die Perspektive eines Hamelner Lokaljournalisten auf den steilen Abwärtstrend, den die Printmedien seit Anfang der 1990er Jahre verzeichnen? Wie sieht die Zukunft der Zeitung aus? Um diese Fragen mit Schülerinnen und Schülern dreier Deutschkurse aus Jahrgang 13 zu diskutieren, kam der stellvertretende Chefredakteur der Deister-Weserzeitung, Thomas Thimm, am 1.10.2020 ins Vikilu.

In sehr anschaulicher Weise stellte Thimm den Arbeitsalltag in der Redaktion der Dewezet dar. Die Arbeit habe sich seit den 90er Jahren stark verändert. „Wir sind inzwischen alle Onliner“, so Thimm. An einem normalen Arbeitstag seien zunächst die verschiedenen Online-Angebote seines Verlags mit aktuellen Informationen aus der Region zu versorgen, bevor der Redakteur sich an den Bericht für die Printausgabe setzen könne. Das ohnehin schnelle Geschäft in einem Tageszeitungsverlag habe durch das Internet nochmals eine enorme Beschleunigung erfahren. Gleichzeitig sei der wirtschaftliche Druck gestiegen, da die Haupteinnahmequelle des Verlags nach wie vor die Printausgabe - deren Leser mittlerweile ein Durchschnittsalter von über 70 Jahren erreicht hätten - sei. Um trotz steigender Kosten und rückläufiger Verkaufszahlen gewinnbringend arbeiten zu können, müsse man Einnahmen aus anderen Geschäftsfeldern generieren. Im Online-Bereich sei deshalb auch nur ein Teil der Berichte kostenfrei zugänglich. Wer gut informiert sein wolle, müsse dafür auch bezahlen. Anders sei es nicht möglich, eine Lokalredaktion zu finanzieren. Ob man sich bei der Dewezet vorstellen könne, zukünftig ganz auf den überregionalen Mantelteil zu verzichten, um alle Ressourcen in die lokale Berichterstattung zu stecken, wollte eine Schülerin wissen. Dieses sei keine Überlebensstrategie für seinen Verlag, entgegnete Thimm. Der typische Dewezet-Leser wolle bei der Zeitungslektüre auch über das Weltgeschehen informiert werden.

„Wie wird denn entschieden, über welche Themen berichtet wird?“, lautete eine Frage. Man orientiere sich streng am Leserinteresse, erläuterte Thimm. Dazu werde in den Redaktionsräumen permanent präsentiert, welche Lesergruppe sich gerade wie lange mit einem Online-Bericht befasse. Dementsprechend erfolge die Themenauswahl. Mit dieser Strategie versuche man, Leser zu halten. Inwieweit auf diese Weise eine neue, junge Leserschaft gewonnen werden könne, leuchtete den Zuhörenden nicht unbedingt ein.

Ob man es wagen solle, heute noch Journalist(in) zu werden, wurde gefragt. Thimm antwortete darauf mit einem entschiedenen „Ja!“. Der Journalismus habe kein Zukunftsproblem. Sein Job sei es, seriös über das tagesaktuelle Geschehen zu informieren. Die Art der Verbreitung sei dabei zweitranging: Während heute noch ein Teil der Bevölkerung mit der klassischen Tageszeitung erreicht werde, liege die Zukunft noch stärker als bisher im Bereich der digitalen Medien. Eine Vision, welche innovativen Medienangebote die Zukunft der Dewezet prägen könnten, ließ sich der Redakteur von seinem Publikum jedoch nicht entlocken.

Dennoch waren die angehenden Abiturient(inn)en sehr erfreut, sich auf derart kurzweilige und zugleich informative Art mit dem abiturrelevanten Schwerpunktthema Journalismus befassen zu können. Möglicherweise hat Thomas Thimm so ganz nebenbei auch den einen oder anderen Impuls zur weiteren Berufsorientierung geben können.

 

 


Von: Schülerinnen und Schüler des Kurses DE 1