10.12.2017

Münsterkonzert des Vikilu

Konzert mit Solisten, Chören und Instrumentalensembles in Kooperation mit der Jugendmusikschule "Wilhelm Homeyer" Hameln am 06.12.2017


Vikilu Voices

Von Festen und Märkten zwischen Hameln, Marokko und Argentinien  – Vikilu-Münsterkonzert am 06.12.2017

Das Hamelner Münster ist, wieder einmal, voll – es gibt keine freie Sitzgelegenheit mehr, Küster Joachim Ruppel hat bereits mit allen Stühlen aus der Krypta nachgelegt. „Ich freue mich so auf das Konzert“, hatte eine Fünft­klässlerin bei den Proben am Vormittag gesagt. Diese Vorfreude teilt sie wohl mit sehr vielen Musikern wie Besuchern. Während draußen nur wenige hundert Meter entfernt der Hamelner Weihnachtsmarkt in vollem Gange ist, eröffnet die Streicherklasse 5/6, das jüngste Ensemble des Abends, das Konzert. Gemeinsam mit ihrem Lehrer-Team von Jugendmusikschule und Vikilu, Natalie Wiest und Hans-Martin Haas, entführt sie das Publikum auf einen anderen Markt, den „Markt von Marokko“. Auch wenn hier nicht direkt die Adventszeit im Vordergrund steht – die Fröhlichkeit und Festlichkeit verbindet. Bevor die Zuhörerinnen und Zuhörer selbst aktiv werden dürfen beim Gemeindechoral „Macht hoch die Tür“, unterstützt an der Orgel durch den neuen Musik-Kollegen am Vikilu Herrn Dr. Matthias Rheinländer, folgt die Begrüßung durch Vikilu-Schulleiter Herrn Dr. Glaubitz und Kirchenvorstandsmitglied Herrn Bartsch. Letzterer führt unmittelbar die angesprochenen „Märkte“ zusammen und weist mit Blick auf das sich anschließende Lied darauf hin, dass wir es uns hier leisten können und sollten, „die Tore weit“ zu machen für Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, um Schutz zu suchen.

„Ist da jemand?“ (Adel Tawil) fragen die Singstars unter der Leitung von Franziska Erdmann. Aber ja doch – das Publikum erlebt knapp 90 junge Sängerinnen und Sänger, die mit glockenhellem Klang das Münster bis in den letzten Winkel füllen. Ob sie alle wissen, dass ihr zweiter Song „Christmas Lullaby“ aus der Feder von Andrea Figallo stammt, des Bassisten der erfolgreichen A-Capella-Gruppe „Wise Guys“? Festlich klingt es auf jeden Fall – nicht zuletzt dank der nun begleitenden Vikilu Sinfonics. Dirigentin Cecily Reimann präsentiert dazu ein voll­wertiges Orchester, mit Streichern, Bläsern, Pianisten und: Harfe! Das junge Ensemble geht mit der Ernst­haftigkeit von Profis zu Werke und überzeugt auch in E. Elgars „Pomp and Circumstance“. Die besondere Akustik der Münsterkirche demonstrieren die „Vikilu Voices“. Ute Sandfuchs, die auch die künstlerische Gesamtleitung des Abends innehat, wählt für „Evening rise, spirit come“ (Meinhard Ansohn) gezielt die Hochempore weit hinten im Kirchenschiff hinter Altarbereich und üblicher „Bühne“. Die Sängerinnen und Sänger sind praktisch nicht zu sehen – aber klanglich unglaublich präsent – und ziehen so das Publikum in ihren Bann. Später werden sie ähnlich effektvoll, wenn auch direkt vor den Gästen „Joshua fit the battle of Jericho“ vortragen.

Auch kammermusikalische Beiträge fehlen heute Abend nicht. Sie verdeutlichen noch einmal die intensive Zusammenarbeit des Vikilu mit der Jugendmusikschule „Wilhelm Homeyer“ Hameln: Die beiden Instrumental­lehrkräfte der JMS Jutta Lorenz und Alexander Simko haben Ensembles mit zahlreichen Vikilu-Schülern, aber auch Gästen, ausgezeichnet vorbereitet. Während Felix Brodtmann im vierten Satz von Telemanns Konzert für Viola und Orchester in G-Dur souverän unter Beweis stellt, dass (natürlich!) auch eine Bratsche die „erste Geige“ spielen kann, heizt ein 12-köpfiges Querflötenensemble in der mittlerweile gut gewärmten Kirche dem Publikum mit Astor Piazzollas Libertango weiter ein. Auch die feurigen Klänge aus Argentinien fügen sich sehr gut in die Hamelner Adventszeit ein. Stimmgewaltig das nächste Ensemble mit Luisa Göhmann, Anna Rau und Meike Brodtmann: Ihr „Mary, Did You Know“ lässt auch den brillanten Flügel der Münstergemeinde mehr in den Vorder­grund treten. Die Reihe der solistischen Beiträge rundet sehr schön klanglich differenziert ein Barockensemble (Malina Kuwert, Fernando Manzilla, Alexander Simko) mit Michelle de la Barres „Chaconne“ ab.

Darf das Publikum auch noch einmal mitsingen? Ja, darf es: Während es sich gemeinsam mit Tochter Zion an vollen Orgelklängen erfreut, wird die „Bühne“ letztmalig umgebaut: Das Vikilu Orchester stellt sich stückweise vor: Zunächst die Streicher plus Klavier mit dem Prelude aus J. Rutters „Suite Antique“ – Solist an der Querflöte ist Oleh Sholokh. „Kompliment, Oleh!“ Auch die Orchestermusiker gratulieren zu seinem überzeugenden Auftritt. In K. Swobodas „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ – irgendwie gehört der gleichnamige Film schon längst gefühlt zu Weihnachten – dürfen dann auch Bläser und Schlagwerk „ran“. Schwungvoll-feierlich im Sechs-Achtel-Takt geht es dem Konzertende entgegen: Sofie Thomas stimmt mehrsprachig „Stille Nacht“ an – zusammen mit Klaviervirtuose und Bruder David Thomas erzeugt sie Gänsehaut-Gefühle. Bravo! Jetzt kann nur noch das Finale folgen. „Prayer for the City“ (T.W. Aas) führt alle Ensembles und Solisten zusammen – über 200 Beteiligte sorgen für einen besonders langen Nachhall in der Münsterkirche. Nach gut eineinhalb Stunden bedankt sich der Publikum mit einem donnernden Schlussapplaus - herzlichen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer!

(H-M Haas)


Von: HM Haas