Bernini (Referat)

Sein Leben

Der Bildhauer, Baumeister und Maler wurde am 7. Dezember 1598 in Neapel geboren. 1604 siedelte er mit seinem Vater, dem florentinischen Bildhauer Pietro Bernini, nach Rom über. Von seinem Vater lernte er die Bearbeitung von Marmor.

Seit 1620 ist Bernini ein anerkannter Künstler, 1623 erhielt er einen päpstlichen Auftrag - ein Hochaltarbaldarchin der Peterskirche, an dem er von 1624 bis 1667 arbeitete. Des Weiteren fertigte er die Kolonnaden des Petersplatzes (1656-1667), den Tritonbrunnen auf der Piazza Barberini (1632-1637), den Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona (1648- 1651 - siehe unten) und die Kirche San Andrea al Quirinale.

1644 wurde Bernini nach Versailles von Ludwig XIV. eingeladen und sollte den Auftrag bekommen, den Ostflügel des Louvre zu bauen, doch der Franzose Claude Perrault verdrängte ihn.

Bekannt wurde er durch die Marmorstatuen wie "Apoll und Daphne" (siehe unten) und seine Portraitbüsten. Bernini schaffte weiterhin eine Innovation des hochbarocken Grabmals für die Päpste Urban VIII. und Alexander VII.: das Reiterstandbild des Konstantin.

Er selbst betrachtete die "Verzückung der hl. Therese" als sein Meisterwerk, es ist tatsächlich das meist bewundertste und am heftigsten abgelehnte Werk der religiösen Kunst. Berninis größter Gegenspieler war der Italiener Francesco Borromini. Bernini sagte einmal über ihn: "Barock ist blühende Entfaltung, Borromini verkörpert seine dunkle Seite, den Abgrund." Er konnte dem Gegner sein Leben lang standhalten, denn seine Charakterzüge waren gewalttätig, zornig, aggressiv und dennoch war sein Leben gekennzeichnet von Melancholie und Einsamkeit.

Das letzte und ausdrucksvolle Werk Berninis war ein Meisterwerk des römischen Barock: Santa Andrea al Quirinale, hier zeigt er das Gegenspiel von Kurven und Geraden.Am 28. November 1680 starb Bernini in Rom infolge schwerer Krankheit.


- Der Vierströmebrunnen an der Piazza Navona -

Auf dem Piazza Navona begegnen sich zwei Erzfeinde in ihren Hauptwerken. Gian Lorenzo Bernini erbaute hier seinen Vierströmebrunnen, Francesco Borromini arbeitete an einer Kirchenfassade.

Der Vierströmebrunnen ist fast 350 Jahre in Gebrauch, das erste Wasser spendete er 1651.

Dargestellt sind in diesem Brunnen die vier Kontinente, die damals der päpstlichen Autorität unterworfen waren. Das sind zum Einen der Flussgott des Ganges, der das Ruder führt, er steht für Asien. Daneben befindet sich der Flussgott des Nils. Sein verhüllter Kopf verdeutlicht, dass Afrika zur damaligen Zeit als geheimnisvoll angesehen wurde. Andere Interpretationen sagen, dass er sich das Tuch über den Kopf gezogen hat, weil er die "schreckliche" Architektur von Borrominis Kirchenfassade bemängelt. Neben ihm wiederum befindet sich der Flussgott des Rio de la Plata. Dieser Flussgott Südamerikas ist als Indianer abgebildet, sein Fußband ist mit Edelsteinen besetzt. Auch sein abweisender Blick und seine ablehnende Haltung sollen die Abneigung gegenüber Borrominis Bauwerk darstellen. Neben ihm befindet sich der Flussgott der Donau, er steht für Europa.

Die vier Flussgötter bilden die Basis des Brunnens. Auf den brüchigen Felsbrücken, von denen sie umgeben sind, balanciert ein riesiger Obelisk, ganz nach ägyptischer Tradition, während das Wasser zusammen mit den Pferden Neptuns aus den Spalten hervorbricht. Die Brücken sind bewachsen von Palmen und Weinranken, die die Internationalität noch hervorheben.

Brunnen sind typisch für den Barock, da das Wasser die Lebendigkeit noch unterstreicht. Die kunstvolle Vermischung von unterschiedlichen Formen und Elementen zu einer dynamischen Einheit ist ebenfalls ein bekanntes Stilmittel des barocken Zeitalters. Dieses Kunstwerk, das sowohl Skulptur als auch Architektur und Stadtplanung in sich vereint, erweist sich als Zentralthema des Barock. Es ist nicht wie in früheren Epochen abhängig von anderen Strukturen, sondern in sich geschlossen und stellt zugleich einen Bezugspunkt für den Platz und die ihn umgebende Architektur dar.
(Q1.1, 3.1)


- Die Engelsbrücke / Ponte Sant'Angelo -

Die Engelgsbrücke ist eine 1688 von Bernini entworfene Allee. Die zehn gewaltigen Passionsengel - jeder von ihnen ist mit einem Leidenssymbol Christi bestückt - sind allerdings nur Kopien der von Bernini und seinen Schülern erschaffenen Skulpturen, die heute in der Kirche Sant'Andrea delle Fratte zu finden sind, die für zu kostbar gehalten werden, um sie im Freien zu belassen.

Die Engelsbrücke führt zu der Engelsburg, die eine Fluchtburg für Päpste auf einem zylinderförmigen Mausoleum Kaiser Hadrians (117-138 n.Chr.) mit Folterkeller darstellte. Die drei mittleren Bögen stammen noch aus der Zeit Hadrians, die übrigen wurden später angefügt.


Die Engelsburg bekam durch ein Wunder ihren Namen:

Als unter Gregor dem Großen im 6.Jh. n.Chr. eine furchtbare Pest wütete, tat der damalige Papst einen Bittgang, um das Unheil abzuwenden. Da erschien auf den Zinnen der Grab-Veste der Erzengel Michael, der bildhaft für das Ende der Pest sein Schwert in die Scheide stieß. Seitdem wird die Burg mit Engeln in Verbindung gebracht und als Erinnerung daran "Engelsburg" genannt.
(Q1.2, 2, 3.2)


- Die Verzückung der heiligen Theresa -

Die Arbeiten an der "Verzückung der heiligen Theresa" dauerten von 1645 bis 1652. Die Statue gibt die Vision der Reformerin des Karmeliterordens im 16. Jahrhundert wieder. Eine selbstverfasste Beschreibung der heiligen Nonne Theresa lautet:

"Ich sah einen Engel dicht neben mir zu meiner linken, in leiblicher Gestalt. Solch eine Erscheinung zu sehen bin ich nicht gewohnt, oder doch nur höchst selten. ... Er war nicht groß, eher klein von Wuchs, aber sehr schön.... Ich sah in seiner Hand einen langen, goldenen Pfeil, und an seiner Spitze aus Eisen schien eine kleine Flamme zu zucken. Er schien ihn mir dann und wann ins Herz zu stoßen und meine innersten Eingeweide zu durchbohren. Als er ihn herauszog, schien er sie mit herauszuziehen und mich ganz in heftiger Liebe zu Gott entflammt zurückzulassen. Der Schmerz war so groß, dass er mir ein Stöhnen abpresste; und doch war die Süße dieses maßlosen Schmerzes so überwältigend, dass ich nicht zu wünschen vermochte, von ihm befreit zu werden. Meine Seele ist jetzt mit nichts Geringerem als Gott gesättigt. Der Schmerz ist kein körperlicher, sondern ein geistiger, obwohl der Körper seinen Teil, sogar einen großen, daran hat. Es ist kein Liebkosen, das jetzt zwischen der Seele und Gott stattfindet, so süß, dass ich Gott bitte, er möge es in seiner Güte denjenigen erfahren lassen, der etwa glaubt, ich lüge."

Die Skulptur gibt den fruchtbaren Moment wieder, in dem die heilige Theresa auf die Wolke niedersinkt und der Engel mit dem Pfeil ausholt.

Der Standort der Verzückung, die Kirche Santa Maria della Vittoria, ist ähnlich wie ein Theater aufgebaut: in den Seitenlogen sitzen acht Mitgleider der Familie Cornaro, für die die Kapelle geschaffen wurde, auf der Bühne spielt das Schauspiel der Verzückung. (Q1.3)


- David -

Bernini schuf den "David" im Jahr 1623, und zwar benötigte er nur sieben Monate, um die Skulptur zu entwerfen und fertig zu stellen.

Sie zeigt den Körper eines jugendlichen Kriegers mit dem Gesichtsausdruck Berninis, den er anhand seines Spiegelbildes auf die Figur übertrug. Der junge Mann hat seine Rüstung und seine Harfe niedergelegt und beugt sich schwungholend nach hinten, um den Stein, den er in einer Steinschleuder in der linken Hand hält, zu werfen. Auffällig ist bei dieser Darstellung des "David", dass jeder Muskel seines Körpers angespannt ist. Abgebildet ist er wieder in einem fruchtbaren Moment, nämlich kurz bevor er den todbringenden Stein gegen einen unsichtbaren Goliath schleudert. Dieser unsichtbare Goliath befindet sich ein wenig oberhalb vom Betrachter.

Obwohl zwischen Michelangelo und Bernini hundert Jahre der Weiterentwicklung liegen, wählten beide die Figur des "David" für eine Statue. Im Vergleich zwischen den beiden Statuen fällt deutlich auf, dass sich Michelangelos Figur in der Standbein - Spielbein - Stellung hält, während der "David" von Bernini wesentlich dynamischer, angespannter und ausdrucksstärker ist. Er vermittelt Emotionen und Lebendigkeit. Das liegt wohl auch daran, dass hier erstmals der "David" in dem Moment, als er Goliath tötet, darstellt wird. An ihm wird der Charakter der Barockkunst demonstriert: Bewegung, Dynamik und Betonung der Handlung.
(Q1.4)


-Apoll und Daphne -

Die Sage um Apoll und Daphne

Apollon,der Gott der schönen Künste und des Wissens um die Zukunft hatte sich einst des Eros Zorn zugezogen. Nie hatte er von Liebe wissen wollen,und voll Verachtung trat er vor den Liebesgott,um mit seiner unfehlbaren Bogenschießkunst zu prahlen,wohingegen er die Pfeile des Eros nur verspottete und verhöhnte. Doch der listige Eros lächelte nur über Apollons törichte Unterschätzung der Kraft der Liebe,hob sich in die Lüfte und zückte zwei verschiedene Pfeile aus seinem Köcher: Der eine,der die Liebe wecken sollte,trug eine Spitze aus lauterem Gold; der andere aber war plump und schwer wie Blei - er sollte sie verscheuchen. Der bleischwere Pfeil traf die schöne und liebreiche Waldnymphe Daphne,der andere fuhr Apollon direkt ins Herz. Apollon entbrannte in heißer Liebe während Daphne sich voll Widerwillen von aller Liebe,und von Apollon,abwandte. Sie hielt sich im Wald versteckt,um sich vor dem Freier zu verbergen. Als dieser sie trotzdem aufspürte,ergriff die Nymphe die Flucht. Sie verfolgend versuchte Apollon sie von seiner Liebe und seinen Vorzügen zu überzeugen,doch sie entwich von neuem,was Apollon nur noch rasender und zielstrebiger machte. Doch im nächsten Moment versagte der Jungfau alle Kraft und totenbleich wankte sie vor Erschöpfung. Sie rief die Götter um Hilfe an,sie von dieser Leid und Unglück bringenden Gestalt zu befreien. Und in diesem Augenblick spürte sie,wie die Glieder erstarrten,wie sich Rinde um ihren blühenden Körper schlang, wie das Haar sich in grünes Laub verwandelte und die Arme in Äste. Der Fuß, der eben noch leicht über die Erde geglitten war, schlug Wurzel im Erdreich ,und lichtes Grün bedeckte das Haupt. Doch auch als Baum blieb der Verwandelten die leuchtende Schönheit,und es blieb ihr Apollons Liebe. Behutsam legte er die Hände auf den Stamm,und noch durch die Rinde hindurch spürte er das Herz der Geliebten schlagen. Da umfing er mit den Armen die Äste und küsste innig den Baum. "Als Gattin warst du mir nicht beschieden",sagte Apollon traurig,"doch ich lasse dich nicht; als Baum sollst du mir zu eigen sein,und stets will ich im Haar,am Bogen und an der Leier deine Zweige,den Lorbeer tragen!" (Q4)
In seiner Skulptur "Apoll und Daphne" (1622-24) hat Bernini den fruchtbaren Moment von Daphnes Metamorphose eingefangen. Beide Körper wölben sich in Parallelität nach vorn in die Bewegungsrichtung. Dies macht die Skulptur zu einer Skulptur und nicht zu zwei zusammengesetzten. Dennoch ändert die Parallelität nichts an der dynamischen Ausstrahlung dieses typisch barocken Kunstwerks. (Q5)

Quellenangaben

Q1: Bernini und seine Zeit (Time-Life International,1973) * .1 (vgl.S.102/103) .2 (vgl.S. 98/99) .3 (vgl.S. 142ff/153) .4(vgl.S. 19/27)

Q2: www.t-online.de/juergen.mulzer/2%20r%F6mischer%20spaziergang/2%20sp%20rom%2010.htm

Q3: MarcoPolo ROM (10.aktual. Auflage 2000, Mairs Geographischer Verlag, Ostfildern).1 (vgl.S. 22) .2 (vgl.S.18)

Q4: Carstensen: Griechische Sagen (dtv junior,1993) (vgl.S. 49)

Q5: Belser Basiswissen KUNST: Romanik - Gotik - Renaissance - Barock (Belser Verlag,1997) (vgl.S.280)