Projekt Synagogenbau

Leistungskurs Kunst 2003/04

1. Zur Geschichte der Synagoge in Hameln

Edwin Oppler (1831-1880), königlicher Baurat in Hannover und einer der erfolgreichsten jüdischen Architekten des 19. Jahrhunderts, erbaute im Jahre 1879 an der Bürenstraße in Hameln eine Synagoge. Betont im Gegensatz zum damals beliebten maurisch-orientalischen Stil verwandte er vorwiegend neoromanische Stilelemente.

In der Nazizeit waren die Juden in Hameln wie überall in Deutschland schweren Angriffen bis zur Ermordung ausgesetzt. Dabei wurde auch die Hamelner Synagoge zerstört. Bernhard Gelderblom beschreibt die Zerstörung der Hamelner Synagoge am 9. November 1938:

"Die Synagoge wird geplündert und dann in Brand gesetzt. Das Feuer will zunächst nicht in Gang kommen; Stroh wird in den Innenraum geschafft. Eine plötzlich umschlagende Feuerlohe ver­letzt SS-Männer, die sich im Gebäude aufgehalten hatten.Das Bauwerk brennt bis auf die Au­ßenmauern nieder. Die Täter sind Ha­melner Bürger, überwiegend SA-Leute und einige SS-Männer. Gestapo-Be­amte beschlagnahmen das Archiv der Synagoge. Polizei und Feuerwehr sind anwesend; die Feuerwehr schützt die Nachbarhäuser." (B.Gelderblom, Sie waren Bürger der Stadt, Hameln 1997, S.55)

Im Jahre 1997 wurde wieder eine jüdische Gemeinde in Hameln gegründet, die schnell auf über 200 Mitglieder anwuchs. Die Gemeinde kaufte 2001 das Land, auf dem die Synagoge bis 1938 stand, und plante dort wieder eine Synagoge zu errichten. Im Jahre 2011 - sieben Jahre nach dem Schülerprojekt - konnte der Neubau verwirklicht werden.

2. Warum bearbeitet ein Kunstkurs dieses Thema?

Eine wichtige Aufgabe der Schule ist es, die  Bedeutung dieses Teils der deutschen Geschichte bewusst zu machen. Die schrecklichen Verbrechen, die auch in Hameln geschahen, dürfen nicht in Vergessenheit geraten, damit so etwas nie wieder geschehen kann. Erfreulich ist es aber, wenn trotz der Schatten der Vergangenheit etwas Neues wachsen kann. Für die Schüler und Lehrer des Viktoria-Luise-Gymnasiums hat der Neubau der Synagoge noch eine zusätzliche Bedeutung, da unsere Schule direkter Nachbar der zukünftigen Synagoge sein wird. Ein Sachbereich des Kunstunterrichts der Oberstufe, "Gestaltete Umwelt", behandelt schwerpunktmäßig das Thema Architektur. Dabei ist sehr motivierend, wenn die Anforderungen des Lehrplans durch ein aktuelles Projekt einen engen Bezug zur Praxis bekommen. Wir sind daher den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde sehr dankbar, dass sie uns erlaubt haben an diesem Thema zu arbeiten und uns durch Informationen und Zuspruch unterstützt haben.

3. Worin bestand die Aufgabe?

Die jüdische Gemeinde machte nur wenige Vorgaben. So sollten ein Gebetsraum, Büro- und Unterrichtsräume und Raum für ein "Museum der Toleranz" in der zukünftigen Synagoge entstehen. Für die architektonische Gestaltung wurden praktisch keine Einschränkungen vorgesehen. Für den Bau ergeben sich allerdings sachliche Einschränkungen aus der Größe, Form und Umgebung des Grundstückes. Die Schüler sollten dies in ihren Entwürfen berücksichtigen. Ansonsten sollte der Phantasie keine Grenze gesetzt werden. In sechs Arbeitsgruppen erstellten die 17 Schülerinnen und Schüler jeweils ein Modell im Maßstab 1:50, eine Zeichnung der Fassade, Grundrisse der Stockwerke und eine Projektmappe zur Erläuterung ihres Vorhabens. Während im Schulunterricht Architekturgeschichte behandelt wurde, gestalteten die Arbeitsgruppen ihre Entwürfe in etwa zweimonatiger Arbeit überwiegend zuhause ohne weitere Einwirkung des Lehrers.

4. Der Besuch des amerikanischen Architekten Arnold Oppler

Während der Arbeit waren wir immer wieder in Kontakt mit der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Frau Rachel Dohme. So war es für uns sehr interessant zu hören, dass sie den Urenkel des Architekten Edwin Oppler, Herrn Arnold Oppler, kennen gelernt hatte und dass dieser ? selbst amerikanischer Architekt ? den Neubau der Synagoge durchführen will. Die Schüler waren dann sehr aufgeregt, als Herr Oppler und Frau Dohme uns in der Schule besuchten und sich die Arbeiten präsentieren ließen. Obwohl die Schüler ihre Entwürfe auf Englisch erläutern mussten, war das Treffen mit Herrn Oppler für alle Teilnehmer eine sehr schöne Erfahrung. Sehr einfühlend setzte sich Herr Oppler mit den Werken auseinander, lobte sie und bestärkte dabei die Schüler mit dem Vorschlag einer öffentlichen Präsentation. Herr Dr. Wünsche von der DWZ berichtete von diesem Treffen mit einem ausführlichen Artikel in der Zeitung.