04.10.2021

„Wie war die DDR?“

Zeitzeugengespräch in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer Stiftung


Am Montag, den 04.10.2021, bekam der 11. und 12. Jahrgang Besuch von der Historikerin Birgit Hillmer – Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Anlässlich des 31. Jahrestages der Deutschen Einheit erzählte die im Jahr des Mauerbaus geborene ehemalige DDR-Bürgerin von ihrem Leben vor und nach dem Mauerfall.

Birgit Hillmer berichtet von ihrer Kindheit im Mauersperrgebiet in einem thüringischen Dorf in der Nähe Frankens. Schon früh hörte sie von ihrer Großmutter, bei der sie aufwuchs, Geschichten aus dem Westen. Doch ihre Eltern waren staatsnah und so erlebte sie von klein auf beide Seiten des Systems.

Frau Hillmer „lacht“, als sie uns von ihrem Wunsch, als Kind Archäologin zu werden, erzählt. So unmöglich erscheint er zurückblickend. Stattdessen wurde sie Lehrerin für Geschichte und Staatsbürgerkunde. Wie sie erzählte, waren das zwar nicht ihre Wahlfächer - doch damals konnte man froh sein, wenn man überhaupt ein Abitur machen durfte und einen Studienplatz erhielt. Für uns Schüler heute etwas komplett Selbstverständliches, doch in der DDR durften pro Klasse nur zwei Schüler*innen das Abitur machen und auch den späteren Beruf konnte man sich nicht frei aussuchen.

Schon früh begann Birgit Hillmer das System zu hinterfragen. Ausschlaggebend war die Verhaftung einer Freundin, die mit gefärbten Haaren und Irokesenschnitt in die Schule kam. Schon wieder fällt uns auf, wie unvorstellbar so etwas in der heutigen Zeit ist und doch ist es noch gar nicht so lange her.

Frau Hillmer berichtet uns auch von den Demonstrationen, zu denen sie heimlich gefahren ist und von der großen Demonstration am Alexanderplatz in Berlin am 04. November 1989. Sie beschreibt die unvorstellbare Angst, erwischt zu werden und ihre Kinder zu verlieren, aber auch den Wunsch nach der Demokratie und Veränderung.

An den Moment des Mauerfalls könne sie sich noch genau erinnern. Sie war dabei, einen Geburtstagskuchen für ihre kleine Tochter zu backen, als sie im Fernsehen hört, wie die Maueröffnung verkündet wird. Rückblickend „eine der besten Sachen, die ihr je passiert ist.“

Nach dem Vortrag konnten wir noch viele Fragen stellen. Besonders schockierend war die Frage nach dem „krassesten“ Erlebnis in der DDR. Sie beschreibt eine Nacht, in der sie von Stimmen wach wurde - ein kleines Mädchen war in der Wohnung ihrer Eltern. Wie Frau Hillmer später herausfand, hatten die Eltern des kleinen Mädchens versucht, nachts über die Grenze zu fliehen. Doch der Versuch missglückte und beide Eltern wurden getötet. Bis heute ein prägendes Erlebnis ihrer Kindheit, was die Verzweiflung der DDR-Bürger*innen widerspiegelt.

Am Ende der Veranstaltung appelliert sie nochmal an uns alle, die Demokratie nie als selbstverständlich hinzunehmen und immer daran zu arbeiten, sie aufrechtzuerhalten. Denn erst, wenn man plötzlich nicht mehr seinen Traumberuf ausüben kann, nicht mehr seine Lieblingsband hören kann und nicht mehr seine Familie aus einem Bundesland sehen kann, merkt man, wie wichtig unsere Demokratie und die damit verbundene Freiheit sind.


Von: Lillian Unnasch (Jg. 12) und Dr. Sabine Kempf