02.12.2017

Ein Besuch in der Welthauptstadt der modernen Kunst

Vikilu-Kurse auf der Documenta 14 in Kassel


Am 24.08.2017 sind die Kunst-LKs des Vikilu und ein paar Kunstinteressierte aus E-Kursen zur Documenta 14 per Bus nach Kassel zur weltweit größten Ausstellung für zeitgenössische Kunst gefahren.

Was die Documenta ist? Alle fünf Jahre stellen ausgewählte KünsterInnen hier ihre Werke aus. Das Besondere an der Documenta ist unter anderem die Ausstellungsweise. Die Skulpturen, Dokumentationen, Fotos, Collagen, Installationen, Gemälde und Stickereien sind kreuz und quer in Kassel verteilt. Entweder in einem der vielen Ausstellungsgebäude oder auch auf öffentlichen Plätzen können die Besucher sie bestaunen und interpretieren.

Nach drei Stunden Fahrt bekamen wir die 200.000-Einwohner-Stadt Kassel zu Gesicht, ein ernüchternder Blick auf die vielen Plattenbauten am Stadtrand. In einem alten Post-Gebäude, jetzt die ,,neue Neue Galerie" (kein Tippfehler – es gibt auch die „Neue Galerie“), konnten wir endlich die ersten Werke betrachten. Eine Wandinstallation, die mehrere Meter hoch und bestimmt fünfzehn Meter breit war, versetzte uns in eine ungewohnt unheimliche Stimmung. Gespannt, was uns als nächstes begegnen würde, gingen wir weiter. Ein Kunstwerk fiel uns sofort ins Auge: eine Seifenverkäuferin hinter einer Absperrung, deren kunstvolle Präsentation der Seife selbst einen Teil des Werkes darstellte. Für 20 € konnten die Besucher beim Kauf der Seife selbst Teil dieses Werkes der nigerianischen Künstlerin Otobong Nkanga werden. Die Öle aus der Seife stammen aus vielen verschiedenen Ländern, und in die Seife ist der typische Hausaufbau einer nigerianischen Familie eingeprägt – Kulturunterricht inklusive also. Etwas, was uns außerdem mit Sicherheit im Gedächtnis bleiben wird, ist eine Installation von etlichen Rentierschädeln mit Einschusslöchern, die geordnet von der Decke hinab hingen und aus etwas Entfernung den Eindruck eines gewöhnlichen Vorhangs machten. Die norwegische Künstlerin Máret Ánne Sara, eine Angehörige des Volks der Samen, will damit Kritik an der norwegischen Regierung üben, welche die Dezimierung der Rentierherden angeblich zum Schutz der Weiden, vermutlich aber für die spätere Gewinnung von Bodenschätzen anordnete. So mussten auch viele Rentiere der Familie der Künstlerin getötet werden. Irritierend an dem Anblick dieses Werkes war sein schönes Aussehen trotz der vielen Schädel und des schockierenden Hintergrundes – eine wirklich gelungene Installation, wie wir finden.

In der nächsten Ausstellungshalle, der „Documentahalle“, rätselten wir über die Bedeutung einer weiteren Installation. Hier hingen meterhoch Fäden aus roter ungesponnener Wolle von der Decke, ein Kunstwerk der aus Chile stammenden Künstlerin Cecilia Vicuna. Gerade wegen ihrer Größe und der besonderen Haptik der Wolle ist die Skulptur ein Blickfang. Es wurde laut der offiziellen Documenta-14-Website „zu Ehren einer synkretistischen religiösen Tradition, die durch die Nabelschnur menstrueller Symbolik die Muttergottheiten der Andenregion mit den maritimen Mythologien des alten Griechenland verknüpft.“ geschaffen. Darauf sind wir leider nicht gekommen, interessant war es trotzdem.

Zu sehen gab es auch viel vor dem „Fridericianum“ auf dem Friedrichsplatz. Neben einigen anderen Großinstallationen wie dem „Parthenon der verbotenen Bücher“ erinnerte der irakisch-deutsche Künstler Hiwa K mit aufeinander gestapelten Abwasserrohren an die Situation der Flüchtlinge, die in Griechenland auf ein Weiterkommen warteten und in solchen Röhren wohnten. Hiwa K hat mit Design-Studenten zusammen jede Röhre individuell eingerichtet. Die Studenten haben selber 24 Stunden (unter großen Schwierigkeiten) in der Waagerechten den Aufenthalt in den Röhren erprobt. Mit dem Symbol der Waagerechten geht auch ein Protest gegen die vertikal orientierte Konsumgesellschaft und den Kapitalismus einher.

Für uns Schüler war die Documenta 14 unsere erste Documenta überhaupt und wir waren durchweg positiv überrascht von der Vielfalt der Werke und deren politischem Hintergrund, auch wenn Letzteres in Kennerkreisen häufig kritisiert wurde. Leider reichte die Zeit nicht annähernd aus, um alle Ausstellungsorte zu besuchen, bevor wir wieder zurück nach Hameln fahren mussten, wo wir am späten Nachmittag ankamen.

Ein großes Danke geht an unsere Lehrer und die Schule für die Organisation dieser Fahrt.


Von: Myriam Doppke und Sophie Graf